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„Fünf Mal Vielleicht – Sam & Melinda“

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Auszug aus Kapitel 3

Unzurechnungsfähigkeit

Entnervt verpasste ich dem Kissen einen Schlag, das sich unter meinem Kopf klumpig anfühlte. Die Decke hatte sich zu meinen Füßen zu einem Knäuel verdreht. Irgendwann schlief ich dann doch ein, aber in meinem Träumen kam ich nicht zur Ruhe, denn grüne Augen verfolgten mich.
Mürrisch stand ich auf, als der Wecker klingelte, und quälte mich in die Schule. Wider Erwarten hatte Sam dicht gehalten, sodass niemand das Treffen oder die Knutscherei erwähnte. Kein Getuschel, sobald sie mich sahen. Alle gratulierten mir nur zur organisierten Abschlussfeier. Meine Laune war mit jedem Glückwunsch gestiegen.
Doch als ich eine SMS von Sam erhielt, den ich unter Playboy eingespeichert hatte, sank meine Laune gleich wieder. Musste das sein? Er wollte sich mit mir heute Abend vor der Bibliothek treffen.
Ich war verwundert, dass er überhaupt wusste, wo sich diese befand. Meine Finger schwebten über dem Display und ich kramte in meinem Kopf nach einem Vorwand, den ich vorschieben konnte, um der Sache zu entgehen. Doch mir fiel beim besten Willen nichts ein. Unwillkürlich sah ich auf und bemerkte, wie Sam mich ansah und mir ein schiefes Lächeln schenkte. Gleich danach vibrierte mein Handy.
»Denk an unsere Abmachung.«
Am liebsten hätte ich wie ein Kind trotzig mit dem Fuß aufgestampft und geschrien: Ich will aber nicht! Doch ich beherrschte mich und verdrehte nur die Augen und zuckte dann mit der Schulter. Antwort bekam er keine.
Als er mir die Uhrzeit schrieb, schrieb ich eine knappe Antwort, die meinen Widerwillen ausdrücken sollte. Mara sah mich schon seltsam an, weil ich Selbstgespräche führte, doch ich winkte ab.
Ich spielte mit dem Gedanken, in Jogginganzug und mit ungekämmten Haaren zu erscheinen, verwarf ihn aber wieder. Dafür lag mir mein Aussehen doch zu sehr am Herzen. Allerdings hatte ich meine älteste Jeans an, als Zeichen der stillen Rebellion. Die Hose war mir zu eng und kniff. Bravo, Melinda.
Es verstand sich von selbst, dass ich wieder viel zu früh bei der Bibliothek war. Die Bibliothek war ein eindrucksvolles Gebäude, welches früher ein Herrenhaus gewesen war. Vor einigen Jahren war es restauriert und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht worden.
Seufzend beobachtete ich die Menschen, die an mir vorbeigingen. Sie konnten einfach nach Hause gehen und mussten nicht hier ausharren. Wahrscheinlich hatten sie für heute angenehmere Pläne.
Unerwartet legte mir jemand die Hände auf die Schultern. Ich schrak zusammen und wollte schon mit dem Ellenbogen nach hinten in dem Magen des Angreifers schlagen, als sich diese wieder von meinen Schultern lösten und auf meine Taille legten.
»Habe ich dich erschreckt?«, wisperte eine tiefe Stimme an meinem Ohr und beschwor Erinnerungen an unsere Küsse herauf. Sofort machte ich mich los.
So ein Idiot. Er lachte nur. Als ich ihn böse ansah, bemerkte er: »Willst du etwa den ganzen Abend so gucken? Ich sehe schon förmlich vor mir, wie sich diese steile Falte auf der Stirn einprägt. Und dann fragen dich irgendwann deine Kinder: Mama, warum hast du diese Falte? Und du musst antworten: Weil ich zu böse geguckt habe!«
So einen Blödsinn hatte ich selten gehört. Obwohl es um meine Mundwinkel zuckte, bemühte ich mich weiter, finster zu gucken, was lächerlich scheiterte.
Äußerst selbstzufrieden zwinkerte er mir zu. Um wenigstens den äußeren Schein zu wahren, fragte ich mäßig interessiert: »Und, wohin gehen wir nun?«
»Ins Kino.«
Damit hatte ich nun wirklich nicht gerechnet. »Kino?«
Aber Sam war schon losgestapft und beachtete mich gar nicht. Als er sah, dass ich ihm nicht folgte, rief er über die Schulter: »Kommst du?«
Meine steile Falte erschien wieder. Nun musste ich ihm auch noch wie eine läufige Hündin nachrennen. Keine Ahnung, wie er es schaffte, dass ich mich von 0 auf 180 aufregte.
Wenig später standen wir vor dem Kino, Sam ging hinein, als ob ihm der Laden gehören würde. Natürlich ohne mir die Tür aufzuhalten. Das Kino war – da es Anfang der Woche war – nur von Einzelnen besucht, sodass wir ohne Wartezeit zu den Ticketschaltern gelangten. Zielstrebig wählte Sam den mittleren und begrüßte den Kartenverkäufer wie einen alten Freund mit Handschlag. Ein neugieriger Blick streifte mich, den ich aber beflissen ignorierte. Der Junge reichte Sam zwei Karten: »Hier, Sam, ich habe mir schon gedacht, dass dich der Film interessiert und habe dir deshalb einige Karten zurückgelegt. Natürlich Premiumplätze.«
Sam bezahlte und bedankte sich: »Danke, Hannes, du hast echt was gut bei mir. Grüß Mel von mir.«
Hannes nickte und lächelte breit. »Noch einen schönen Abend euch beiden.«
Ich lächelte unbestimmt. Sicher nicht.
Wir gingen zu einem Stehtisch und ich ließ meine Tasche darauf fallen. »In welchen Film gehen wir denn?«
»In den neuesten Liebesfilm. Er handelt von unerfüllter Liebe und wie der Junge das Mädchen am Ende doch rumkriegt.« Schalk blitzte in seinen Augen, die ausdrucksvoller waren, als sie sein sollten.
Witzig. »Lass mich raten. Irgendwann legst du dann den Arm um mich und zufällig nähert sich dein Gesicht genau meinem, wenn sich die Protagonisten finden«, sagte ich mit einer Stimme, die von Sarkasmus triefte.
»Genau, du hast es erfasst. Sag mal, kennst du den Film schon? Das würde vieles erleichtern und wir könnten gleich zum Ende kommen.« Wenn Blicke töten könnten, wäre er bereits tot. Strahlend lächelte er mich an.
Innerlich fing ich wieder an, mich zu ärgern. Warum hatte ich blöde Kuh mich auch darauf eingelassen?

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